RWT-Webinar: Compliance-Herausforderungen 2026
Im Webinar „Compliance-Herausforderungen 2026“ informierten Dr. Anke Thiedemann, LL.M., Dr. Jakob Billau und Alexander-David Greeb über aktuelle Entwicklungen, die Unternehmen im laufenden Jahr besonders im Blick behalten sollten. Im Fokus standen neue steuerliche Vorgaben, mögliche Verschärfungen im Steuerstrafrecht, strengere Anforderungen an Nachhaltigkeitswerbung sowie neue Fristen und Pflichten im Zusammenhang mit der EU-KI-Verordnung.
Ein Schwerpunkt lag auf aktuellen Änderungen im Steuerrecht. Dr. Jakob Billau erläuterte unter anderem die seit 1. Januar 2026 geltende Neuregelung zum Verzicht auf Anhörung bei elektronisch übermittelten Steuerdaten. Zudem wurde der geplante Anstieg des Zinssatzes für Nachzahlungs- und Erstattungszinsen ab 2027 eingeordnet. Auch der zunehmende Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Finanzverwaltung wurde thematisiert – insbesondere mit Blick auf Datenverarbeitung, Transparenz und mögliche Auswirkungen auf das steuerliche Risikomanagement.
Im Bereich Steuerstrafrecht ging es um die politische Diskussion zur Verschärfung der Regelungen zur strafbefreienden Selbstanzeige. Anlass ist der im Juli 2026 vorgestellte Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalität, der unter anderem Änderungen bei § 371 AO vorsieht. Der RWT-Experte machte deutlich, dass Unternehmen steuerliche Korrektur- und Offenlegungspflichten weiterhin sorgfältig prüfen sollten.
Ein weiterer Themenblock widmete sich der EmpCo-Richtlinie und ihrer Umsetzung im UWG. Alexander-David Greeb und Dr. Anke Thiedemann informierten darüber, dass ab dem 27. September 2026 deutlich strengere Anforderungen an umweltbezogene Werbeaussagen und Nachhaltigkeitssiegel gelten. Pauschale Aussagen wie „klimaneutral“, „umweltfreundlich“ oder „nachhaltig“ sind künftig unzulässig, wenn sie nicht konkretisiert und belastbar belegt werden. Unternehmen sollten daher frühzeitig ihre Claims, Siegel, Websites, Verpackungen und Marketingmaterialien überprüfen.
Abschließend gab Dr. Anke Thiedemann ein Update zur EU-KI-Verordnung. Durch den Digital Omnibus verschieben sich zwar zentrale Pflichten für Hochrisiko-KI, wichtige Transparenzpflichten greifen jedoch bereits 2026. Unternehmen sollten die gewonnene Zeit nutzen, um KI-Systeme zu erfassen, Risiken zu klassifizieren, interne Zuständigkeiten zu klären und die KI-Kompetenz im Unternehmen weiter aufzubauen.
Die Referenten machten im Webinar deutlich: Compliance bleibt 2026 ein dynamisches Thema. Unternehmen sollten neue regulatorische Anforderungen nicht isoliert betrachten, sondern frühzeitig in bestehende Prozesse, Kommunikationsfreigaben und Governance-Strukturen integrieren.