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Dextro für die Extrameile: Mit Wertschätzung Motivation steigern

Ein Impuls aus der Recruitingpraxis von Bettina Lutz, Geschäftsführerin der RWT Personalberatung

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Diskussion, das Renteneintrittsalter auf 70 zu erhöhen, ist es jetzt umso wichtiger, dass die Menschen ihren Beruf auch bis ins hohe Alter ausüben können und wollen.

Aufgrund der anhaltenden Wirtschaftskrise waren viele Unternehmen zuletzt gezwungen, Stellen abzubauen – hauptsächlich im Umfeld der Automobil- und Maschinenbauindustrie. Hauptbetroffene sind vor allem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die das 50. Lebensjahr überschritten haben – die sogenannten Ü50. Dies zeigt auch der Anteil dieser Altersgruppe in der Arbeitslosenstatistik: Demnach waren im Januar 2026 in Deutschland von den insgesamt 3,085 Millionen Arbeitslosen mehr als 1,724 Millionen Menschen über 50 Jahre alt. Das entspricht einer Quote von 56 Prozent. Dies liegt natürlich auch an der demographischen Struktur in Deutschland. Und diese Entwicklung spüren wir auch in unserem Beratungsalltag. 

Ein Beispiel: Vor ein paar Monaten suchten wir einen „Allein-Geschäftsführer mit Sales-Gen“ für ein mittelständisches Produktionsunternehmen. Das Ergebnis: Innerhalb kürzester Zeit gingen bei uns 350 Profile ein, der Großteil war Ü50. Das C-Level bewirbt sich also wieder – und wie!!! Dieses Beispiel sagt alles über unsere aktuelle wirtschaftliche Marktsituation in Deutschland aus. Wenn die Ü50 heute schon als „die Älteren“ bezeichnet werden, sprechen wir in Zukunft vermutlich von den RÜ70 – den rüstigen 70ern. Es bleibt zu hoffen, dass sich die deutsche Wirtschaft zeitnah erholt und der Nachholbedarf der vergangenen Krisenjahre auch die Ü50 wieder in Lohn und Brot bringt. Auch wenn diese unter Umständen dann eine Lebensarbeitszeit bis 70 Jahre erwartet.

Lebensarbeitszeit positiv betrachten und gestalten

Das Wort Lebensarbeitszeit ist die perfekte Überleitung zu der Frage: „Wie kann die Arbeitszeit als Lebenszeit positiv betrachtet und gestaltet werden?“ Es ist ein Geschenk, wenn man seine Arbeit mit voller Überzeugung, Leidenschaft und Hingabe tun kann, mit Erfüllung oder sogar Berufung. In Deutschland empfinden laut des Kompetenzzentrums Fachkräftesicherung (KOFA) allerdings nur ein Drittel der Fachkräfte mit Berufsausbildung ihren Job als Berufung. Spannend ist, dass dieses Gefühl bei den Beschäftigten Ü50 zunimmt. Auch Vollzeit- und Führungskräfte schätzen die Bedeutung ihrer Arbeit höher ein, während die Sicherheits- und Sinnfragen eher die jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stellen.

Aus Gesprächen mit angehenden Führungskräften entnehme ich, dass viele sich die Frage stellen: Will ich überhaupt mehr Verantwortung, mehr Stress und den Leistungsdruck für mehr Geld? Die Führungsaufgabe ist aufgrund der vielen unterschiedlichen Generationsansprüchen zu einer großen Herausforderung geworden, der sich viele nicht mehr stellen wollen. „Das tue ich mir nicht an, da bleibe ich lieber der Fachspezialist.“ Karriere machen steht nicht mehr im Vordergrund, wohl aber ein sicherer Arbeitsplatz, ein hohes Gehalt, die Wohnortnähe und flexible Arbeitszeiten. Was heißt das für die Unternehmen? Es braucht wirtschaftliche Krisenstabilität, strategische Weitsicht, unternehmerisches Handeln und vor allem viel Mut auch in ungewissen Zeiten in die Zukunft zu investieren. Dazu gehört vor allem auch das Fachwissen langjähriger und älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich für das Unternehmen unermüdlich einsetzen und stets die Extrameile für das Unternehmen gehen.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die bereit sind, die Extrameile zu gehen, sind meist intrinsisch motiviert, sie identifizieren sich zu 100 Prozent mit dem Unternehmen, dem Team und mit ihrer Aufgabe. Sie wollen mit ihrem Tun zum Erfolg beitragen und freuen sich, wenn sie dafür wertgeschätzt werden. Es ist demnach die Trilogie Identifikation – Erfolgsorientierung – Wertschätzung, die wie das Dextro bei Langstreckenläufern wirkt. Nur kennen viele Leader den Unterschied zwischen Lob und Wertschätzung nicht. Das Lob ist die Bewertung einer Tätigkeit oder Aufgabe.

Wertschätzung steht für wertvoll

Die Wertschätzung hebt den Menschen, der die Tätigkeit ausübt, in den Mittelpunkt:

  • Ein Beispiel eines Lobes: „Die Auswertung haben Sie super gemacht!“
  • Ein Beispiel der Wertschätzung: „Ohne Ihren Weitblick und Ihre Analysefähigkeit hätte ich eine falsche Investition forciert, die uns in eine wirtschaftlich schwierige Situation gebracht hätte. Sie haben mich davor bewahrt, dafür bin ich Ihnen sehr dankbar!“

Die Wertschätzung braucht ein paar Sätze mehr. Dafür bewirkt sie sehr viel mehr, nämlich das Gefühl von „ich werde gebraucht, ich bin wertvoll“. Und genau dieses Gefühl ist es am Ende, weshalb die Arbeitszeit als Lebenszeit empfunden wird. Appell an alle Führungskräfte: Es ist so einfach, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wertzuschätzen, man muss es nur tun!

Erfolg ein zentrales Element der Trilogie

Erfolg nährt die Selbstmotivation immer wieder neu. Dieses tolle Gefühl treibt an, man will mehr davon und das schöne ist, es steckt auch das Umfeld an zum Mitmachen und dazu beitragen. Es potenziert sich schnell und eine positive Dynamik entsteht. Deshalb ist es gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten umso wichtiger, auch kleine Erfolge zu feiern. Ein Innehalten und Zurückblicken, auf das was man geleistet hat, auch wenn es (noch) nicht unmittelbar zu einem „spürbaren“ Erfolg geführt hat, nährt das Selbstwertgefühl und hilft über Durststrecken hinweg.

Das Wichtigste: Die Identifikation

Das A und O für intrinsische Motivation, ist die sinnerfüllende Aufgabe, mit der man sich identifiziert. „Menschen begeisternd beraten“ ist meine persönliche intrinsische Motivation, Menschen und Unternehmen weiterzuentwickeln, sie noch besser zu machen, als sie heute schon sind. Die Arbeit mit den Menschen macht es für mich persönlich aus, in meinem direkten Arbeitsumfeld und mit den mittelständischen Unternehmensfamilien/-Managern und das branchenübergreifend. Wenn ich Ihnen mit meinem Artikel eine kleine persönliche Anleitung dafür gegeben habe, wie Sie Ihre Lebensarbeitszeit oder die Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter positiv gestalten können, freue ich mich. Und wenn Sie dabei Hilfe brauchen, rufen Sie mich an!
 

 

RWTkompakt Ausgabe Juli 2026

Autorin

Bettina Lutz

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